Filmkritik: Japan geht unter

August 11th, 2007 | Tagged | 4 Kommentare | 704 mal gelesen

Monatelang war der Film in der Videothek verliehen, obwohl es dutzende Exemplare gab. Gelegentlich unterliege ich dabei immer noch dem Irrglauben, dass das bedeutet, das der Film nicht so schlecht sein kann. Eigentlich ist dieser Film nur eine Neuauflage einer ganz alten Serie. Der Plot ist schnell erzählt:
Wissenschaftler stellen fest, das Japan sehr bald im Meer verschwindet. Schwere Erdbeben sind die Vorzeichen. Ein Wissenschaftler stellt plötzlich fest, dass das ganze innerhalb eines Jahres geschehen wird.
Die Hauptfiguren: Kusanagi Tsuyoshi von SMAP (eine der bekanntesten Ex-Boybands und jetzt Fernsehstars). In seiner Rolle als Tiefseeforscher irgendwo mutig, aber auch irgendwie feige. Die junge Kō Shibasaki – eine traumatisierte Rettungsspezialistin mit Drang zum Heldentum.
Was man braucht, um diesen Film zu überstehen: Eine gewisse Liebe zu Japan, ein paar Bier und die Fähigkeit, jegliches logisches Denken auszuschalten. Die Story ist so holprig, dass einem manchmal schwindlig wird. Gefühlsduselei ohne Ende und ein Patriotismus, der selbst Amerikaner staunen lassen würde.
Der Film ist, wie oben erwähnt, extrem gut angekommen in Japan. Man fragt sich warum – wegen der berühmten Schauspieler? Oder aus Neugier? Keine Ahnung. Eins steht jedoch fest: Dieser Film ist ausschliesslich für Japaner gemacht. Egal, wie lange man als Ausländer in Japan gelebt hat – man passt nicht in diesen Film.

Das Wort des Tages: 沈没 chinbotsu. Der Film heisst „Nihon chinbotsu“. Chinbotsu bedeutet „Untergang“ – mehr im Sinne von „im Wasser untergehen“.

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4 Responses to “Filmkritik: Japan geht unter”

  • Hamu-Sumo sagt:

    Hat deine Frau den Film auch mitangesehen? Was meinte sie denn dazu?

    Und es gibt noch Filme, in denen man die Masse im Kopf noch aktivieren muss? Hoooo!

  • Anonymous sagt:

    Nee, hat sie nicht. Hat sich strikt geweigert, diesen Film zu sehen.

    Ja, solche Filme soll es noch geben! Habe ich unken hören…

  • ディーン sagt:

    Das erneute Aufkommen bzw. Remake dieses alten Schinkens (1973) hat wohl mit dem Projekt „Chikyuu Hakken“ zu tun, das in vollem Gange ist. Es ist geplant ca. 7 km tief in den Ozeanboden zu drillen.
    Dieses ambitioese und nicht gerade billige Unternehmen (>halbe Milliarde US$) geht seinerseits wohl auf „Project Mohole“ in den 60ern zurueck. Da hatten die auch wie wild gedrillt, bis ihnen die Kohle (haha!) ausging.

    Aber es erstaunt einen doch sehr dass ein Remake gemacht wurde, dessen Original in einer furchtbar fruchtbaren Aera von Filmproduktionen im Genre „Katastrophen- und Actionfilme“ entstand – heutzutage einfach graesslich anzusehen, mit oder ohne Logik, mit oder ohne Bier.
    Bleibt nur zu hoffen dass dem Remake – bzw. uns – kein 2. oder gar 3. Teil beschieden ist. Der 2. Teil existiert jedenfalls schon in Buchform (2006).
    Oder sollte der Titel „Nihon Chinbotsu“ etwa symbolisch stehen fuer den Beginn des Untergangs des Japanischen Films? ;-)
    Der Begriff liesse sich ja im mittleren Teil beliebig erweitern und anwenden, etwa „Nihon Daitouryou Chinbotsu“, um sich auf kuerzliche Ereignisse zu beziehen…

    Aber wie tabibito bereits sagte, mit ein paar Bier geht’s bestimmt fluessiger runter.

  • Anonymous sagt:

    Da gäbe es ja auch noch den Film „日本以外沈没“ (alles ausser Japan geht unter), den ich mir nicht gewagt habe anzusehen. Da wird man auch mit Bier allein nicht durch den Film kommen. Danke jedenfalls für die Hintergrundinfo – das Projekt kannte ich auch. Und ich bin gespannt, was daraus wird.