Bitchū-Takahashi - Beschreibung
Bitchū-Takahashi ist eine kleine Stadt mitten in den Bergen der Präfektur Okayama und hat 36,000 Einwohner - wie es bei japanischen Gemeinden immer der Fall ist, bezieht sich die Einwohnerzahl nicht nur auf die eigentliche Stadt, sondern auf das Verwaltungsgebiet - dies ist fast 550 km² gross. Bitchū ist der Name einer historischen Provinz Japans - jene war damals Teil der grossen Provinz 吉備国 Kibinokuni. Die Gegend war dereinst bekannt für Eisenerzabbau und -verhüttung. Heute hat die Stadt und das Gebiet mit anhaltendem Bevölkerungsrückgang zu kämpfen. Dank zweier Universitäten ist der Anteil junger Menschen jedoch überdurchschnittlich gross - Takahashi ist im gewissen Sinne eine Universitätsstadt.
Bitchū Takahashi: Blick auf die Stadt
Im ehemaligen Samuraiviertel
Takahashi hat ein Kleinod aufzuweisen - ein kleines Schloss, welches da auf einem nahen Hügel über der Gegend thront. Das Schloss wurde erstmals 1240 gebaut - auf dem 大松山 Ōmatsuyama (Grosser Kiefernberg). Dementsprechend wurde die Feste unter dem Namen 松山城 Matsuyama-jō bekannt. Um Verwechslungen mit dem gleichnamigen Schloss in Matsuyama auf Shikoku zu vermeiden, ist das Schloss allgemein als 備中国松山城 Bitchūnokuni Matsuyama-jō bekannt. Dieses Schloss zählt zur Gattung der Bergschlösser - also Burgen, die auf Berggipfeln gebaut wurden (was in Europa relativ normal, in Japan jedoch recht selten der Fall ist). Und - das Schloss von Takanashi ist das einzige Bergschloss, welches in Japan bis heute überlebt hat: Ein grosser Teil der Strukturen inklusive des Hauptgebäudes (dem Donjon) ist dank der abgeschiedenen Lage noch original (in ganz Japan gibt es nur 12 Donjons, die noch im Originalzustand erhalten sind).
Erstmals wurde 1240 an dieser Stelle eine Burg gebaut. Der nur zwei Ebenen umfassende Donjon stammt aus dem 17. Jahrhundert. Die Burg spielte damals eine zentrale Rolle in der Provinz Bitchū(nokuni). 1873 wurde die Burg jedoch im Zuge der Modernisierung des Landes aufgegeben und verlor ihre Bedeutung. Die Burg verfiel daraufhin, wurde jedoch in den 1920/1930ern restauriert und zum wichtigen Kulturgut erklärt. Seitdem kümmern sich verschiedene Organisationen und Gruppen um die Pflege der Anlage (man kämpft dabei gegen Steinschlag, wilde Affen und andere Hindernisse).
Die kleine, feine Burg Matsuyama-jō
Die Burg von hinten
Wer zur Burg will, muss jedoch erstmal steil bergauf: Takahashi liegt im Durchschnitt auf 65 m NN - die Burg liegt nur einen guten Kilometer Luftlinie von der Stadt entfernt, aber auf 430 m Höhe. Man sollte also eine knappe Stunde Fussmarsch einrechnen. Der Eintritt in die Anlage kostet 300 Yen und die sind gut angelegt: Es gibt relativ wenig Leute, die sich hierher verirren, und die Burg selbst ist zwar sehr klein, aber die gesamte Anlage doch sehr sehenswert - und wirklich gut erhalten. Diese Burg ist wahrscheinlich die einzige original erhaltene Burg in Japan, in der man eine Ahnung bekommt, wie es früher so aussah. Es empfiehlt sich dabei unbedingt, die Anlage gründlich zu erkunden (die Festungsanlage ist gute 250 m lang und bis zu 70 m breit) - man entdeckt interessante Details und Perspektiven.
Die Burg liegt 2,8 km vom Bahnhof entfernt - man braucht wegen des Anstieges jedoch eine gute Stunde. Wer abkürzen will, kann ein Taxi vom Bahnhof nehmen - das kostet 1'250 Yen bis zum Pass. Von dort geht es noch 700 m steil bergauf.
Wo es in Japan eine Burg gibt, gab es in der Regel auch eine 城下町 (jōkamachi) Burgunterstadt, in der sich dort dienende Samurais nebst Familien sowie natürlich Händler und andere Leute ansiedelten. Das war in Takahashi nicht anders. Davon zeugt die relativ gut erhaltene, recht ursprünglich wirkende aber kleine 武家屋敷 (Buke Yashiki) Samuraiviertel mit grossen, alten Häusern vornehmlich au s Holz. In der Nähe befindet sich zudem ein kleines Museum über das angrenzende Händlerviertel.
Im famosen Raikyūji
Japanischer Garten im Raikyūji
Nur wenige hundert Meter vom Samuraiviertel entfernt liegt ein weiteres Kleinod - der 頼久寺 Raikyū-ji, ein (buddhistischer) Tempel der Eigen-ji-Sekte, welche dem Rinzai-Buddhismus verschrieben ist. Man ist sich nicht sicher, wann genau der Tempel gebaut wurde, aber man weiss, dass er zum Beispiel 1339 umgebaut wurde. 1604 zog 小堀遠州 Kobori Enshū, Sohn des damaligen Burgherren und Herrschers der Region Bitchū-no-kuni, in den Tempel. Jener war bekannt für seine Gartenbaukunst und begann, im Tempel einen grossen Garten anzulegen. Enshū war zudem für die Verfeinerung der heute weltweit bekannten Teezeremonie bekannt - seitdem gibt des den Enshū-Stil der Teezeremonie. Der Garten im Raikyū-ji verwendet das 借景 Shakkei-Prinzip - jenes bedeutet "geborgte Landschaft". Bei diesem Prinzip wird die Landschaft im Hintergrund in den Garten einbezogen - in diesem Fall dient der kleine Berg 愛宕山 Atago-san als Verlängerung des Gartens. Wer es sieht, versteht das Prinzip sofort.
Schöne Landschaftsgärten gibt es in Japan viele - aber der Raikyūji - die Gebäude sind gute 500 Jahre, der Garten über 400 Jahre alt - ist besonders interessant, weil man ihn in Ruhe geniessen kann und nicht mit hunderten Anderer im Schnelllauf durchschreiten muss (ich war während der O-Bon Ferien im August dort - halb Japan hat dann Urlaub - und ich hatte den Tempel nebst Garten ganz für mich allein; eine Garantie für so viel Glück gibt es freilich nicht).
Anreise
Takahashi liegt an der JR 伯備線 JR Hakubi-Linie - die fährt von der Ostküste Japans bis zur Westküste (das sind in Okayama nur 82 km) nach Yonako 米子. Die Strecke führt quer durch die Berge und ist sehr schön. Von Okayama braucht man gute 50 Minuten mit der Bahn, die Fahrkarte kostet 820 Yen.
Wer an die Westküste möchte, fährt mit der gleichen Linie Richtung 米子 Yonako - mit dem (selten fahrenden) Yakumo Ltd. Express dauert das 1½ Stunden und kostet 4'380 Yen, mit der normalen Bahn kostet es nur 1'890 Yen, dauert jedoch dafür 2¾ Stunden.
Übernachtung
Im nahen Okayama übernachtet - daher keine persönlichen Empfehlungen.
Zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan.


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