Amanohashidate - Beschreibung
Dem shintōistischen Schöpfungsmythos zufolge, stand einst das Götterpaar Izanami und Izanagi 伊弉冉・伊弉諾 auf einer Himmelsbrücke, von der sie mit einer juwelenbestückten Lanze in den salzigen Meeresfluten rührten. An der Lanze rannen Tropfen herunter und formten so die erste japanische Insel. Tausende weitere Inseln sollten bekanntermassen folgen. Diese Himmelsbrücke, genannt Ama-no-hashidate, befindet sich im Norden von Kyōto-fu.

Panorama von Amanohashidate
Die Nehrung ist ca. 3.5 km lang und nur 100 bis 200 Meter breit. Sie trennt die Lagune Aso-kai 阿蘇海 von der Miyazu-Bucht 宮津湾 östlich der Tango-Halbinsel. Die Nehrung ist nur durch einen schmalen Kanal in die "Grosse und kleine Brücke" getrennt. Verbunden sind die beiden Teile durch eine kleine Brücke. Auf der Nehrung stehen ca. 7000 Kiefern - man spricht hier vom landschaftlichen Ideal der hakusha seishō 白砂青松 - weisser Sand und grüne Kiefern.
Der konfuzianische Gelehrte Hayashi Gahō 林 鵞峰 benannte im 17. Jhd. die drei schönsten Landschaften Japans - kurz Sankei 日本三景 (drei Landschaften) genannt. Amanohashidate ist eine davon. Die anderen beiden sind die Inseln von Matsushima und der Schwimmende Torii von Miyajima.
Nahsicht der Himmelsbrücke
Am Yura-Fluss in der Tango-Gegend
Richtig gut sieht man die Brücke entweder von Byūrando ビューランド (Viewland) auf der Südseite. Der Lift und die Seilbahn dort hinauf kosten hin und zurück 800 Yen. Von dort soll man den mata nozoki 股覗き (wörtlich "Schenkelblick") anwenden: Oberkörper runter und durch die eigenen Beine auf die Himmelsbrücke schauen - so sieht man angeblich den Drachen im Himmel. Mit Phantasie. Oder von der anderen Seite der Brücke Dort befindet sich auch ein Aussichtspunkt mit Seilbahn. Ebenfalls teuer, mit Schrein davor. Und dutzenden Souvenirläden.
Anreise
Etwas umständlich. Und - da JR-Linien nicht nach Amanohashidate fahren, müssen auch Railpass-Benutzer bezahlen. Der Tango Explorer タンゴエクスプローラー, ein Ltd. Express, fährt von Kyōto direkt nach Amanohashidate. Dauert fast zwei Stunden. Railpass-Besitzer können mit einem langsamen Zug bis Nishi-Maizuru 西舞鶴 fahren (620 Yen da private Linie) fahren und ab da kostenfrei mit dem Tango Explorer weiterfahren.
Von Tottori zu fahren dauert lange. Man muss in Hamasaka 浜坂, Kinosaki 城崎 und Toyooka 豊岡 umsteigen. Ab Toyooka bezahlen auch Railpass-Besitzer für die Kita-kinki Tango Miyazu - Linie 北近畿タンゴ宮津線 1'160 Yen. Dauert von Tottori sage und schreibe 4½ Stunden!
Wer von einem Mal die Nehrung zu Fuss überqueren genug hat, kann den Rückweg mit dem Boot antreten. Entweder mit dem langsamen, teuren, offiziellen Boot oder mit Schnellbooten, die aussehen, als seien sie 1950er Science-Fiction-Filmen entkommen. Scheint ein Familienbetrieb zu sein. Diese Boote fahren gut 60 km/h und kosten 500 Yen pro Person.
Übernachtung
Laut Touristeninformation im Bahnhof gibt es keine preiswerten Möglichkeiten. Das günstigste war die Minshuku Yoshida 民宿よしだ (Minshuku = trad. Herberge), vom Bahnhof nur zwei Minuten zu Fuss (rechts die Hauptstrasse entlang, dort rechterhand). Kostet 4900 Yen inkl. Steuer, ohne Mahlzeiten. Adresse: 京都府宮津市字文珠640−1 Kyōto-fu Miyazu-shi Jimonju 640-1, Tel: 0772-22-3405.
Achtung: Wenn man ausserhalb der typischen Reisezeiten - zum Beispiel im Januar -
fährt, ist der Ort quasi tot! Am Abend hatte kein einziges Restaurant offen. Der Minshuku-Verwalter
sagte "Ist halt schon spät" (abends 8 Uhr!) und "...dort am Ende der Hauptstrasse gibt es aber
ein McDonalds". Toll, wollte schon immer mal in Japan zu McDonalds. Stattdessen besorgten wir uns
Fertigessen im Konbini (Spätverkauf) nahe der Minshuku. Auch nicht das Wahre. Zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan.


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