Über China steht in einem Lehrbuch folgendes:

中國地形如秋海棠葉。東出渤海。如葉之莖。
西至蒽嶺。如葉之尖。各省及藩屬。合爲全葉。

  • Die ersten acht Zeichen rechts oben werden zhongguo dixing ru qiuhaitang-ye gelesen.
  • zhongguo heisst "China", dixing = "Topographie", ru = "entsprechen", qiu haitang-ye = "Begonienblatt". Alles zusammen also: Die Topographie China's entspricht einem Begonienblatt, will heissen China sieht auf der Karte aus wie ein Begonienblatt.
  • Die nächsten vier: dong chu bo hai - "Osten - Richtung aussen - Bo Hai (Nebenbucht des Gelben Meeres). Also: Im Osten liegt das (Gelbe Meer).
  • ru quan zhi jing= entsprechen - Blatt - vom - Stiel, also Dies (der Osten) entspricht dem Stiel des (Begonien-)blattes. (Der Genitiv ist andersrum als im Deutschen, also nicht Stiel vom Blatt sondern Blatt-vom-Stiel.
  • Links geht es weiter mit: xi zhi congling: Westen - bis - cong ling (wörtl. "Grüne Gipfel; chin. Name für die Pamir-Hochebene. Ergo: Der Westen reicht bis zum Pamir.
  • ru ye zhi jian: entspricht - Blatt - von - Spitze, d.h. Dies entspricht der Blattspitze.
  • ge-xing ji fanshu: jede - Provinz - und Vasallenstaat; Alle Provinzen und Vasallenstaaten
  • he wei quan ye zusammen - dem - ganz - Blatt, bedeutet bilden das ganze Blatt.

Textstück aus einem chinesischen Elementarbuch von 1909 (also älteres Chinesisch mit alten Schriftzeichen). In: Haenisch, E. (1940) S. 41

 

 

 

  • China ist für Europäer nachwievor ein Mysterium. Zwar reisen immer mehr Menschen in das Reich der Mitte, doch ist dieses so groß, dass man es ganz sicher nicht mit einer zweiwöchigen oder gar fünftägigen Tour auch nur annähernd begreifen kann. Ich persönlich war gute drei Wochen in China unterwegs, und obwohl ich keinen einzigen Ruhetag machte und viel reiste bzw. erlief, erschrecke ich immer wieder, wenn ich auf die Chinakarte schaue und sehe, wie wenig ich vom Land gesehen habe. China bietet fast alles: Der äußerste Süden liegt auf der gleichen Breite wie die Südsahara und bietet entsprechendes Klima, die nördlichste Stadt hat etwa den gleichen Breitengrad wie Berlin. Von Wüsten über Hochgebirgslandschaften bis hin zu Regenwäldern, dem hier verbreiteten Mischwald und Permafrostregionen ist alles reichlich vorhanden.

  • China ist schließlich fast 10 Millionen km² groß und damit rund 25 mal größer als Deutschland. Im bevölkerungsreichsten Land der Welt leben rund 16 mal mehr Menschen als hierzulande - rund jeder fünfte Mensch auf diesem Planeten ist quasi Chinese. Man kommt also gerade im Zeitalter der Globalisierung nicht um China herum. Die Bevölkerung ist, wie man es sich denken kann, nicht homogen, jedoch sind über 90 % sogenannte Han-Chinesen. Hinzu kommen über 55 weitere Minderheiten wie Koreaner, Kasachen, Uiguren, Hui.

  • Auch bei Betrachtung der kulturellen Entwicklung und den Errungenschaften der Menschheit stößt man ganz schnell auf China. Während man hierzulande - salopp gesagt - noch von Baum zu Baum sprang, entwickelte man in China schon komplexe Schriftsysteme und errichtete die ersten Staatsformen. Die Erfindungen aus dem Reich der Mitte reichen vom Schießpulver über Nudeln bis zum Porzellan - vom Schießpulver einmal abgesehen zumeist recht erfreuliche Dinge. Das China für lange Zeit ein Mysterium für Europäer blieb ist kein Wunder. Außer über den Seeweg war es zu jener Zeit kaum erreichbar: Über den Landweg ist die Anreise recht strapaziös; man konnte wählen zwischen der Durchquerung riesiger Wüsten, gewaltiger Bergketten oder dem großen, bitterkalten Nichts Sibiriens.

  • Dass die "Langnasen" genannten Europäer sich seit dem 19. Jhd. massiv in China einmischten, hatte fatale Folgen. Dazu zählten die Opiumkriege und der blutig niedergeschlagene Boxeraufstand. So kam es, dass selbst wilhelminische Truppen auf dem Platz des Himmlischen Friedens marschierten. Der Kaiserhof wurde 1912 bedeutungslos, die nachfolgende Chinesische Republik war auch nicht viel erfolgreicher. Mehr Info's zum Thema Chinesische Republik gibt es auf meiner → Taiwan-Seite sowie im Beitrag →VR China vs. Taiwan
    Von Bürgerkriegen zerrüttet, gab die japanische Invasion dem Riesenreich den Rest. Erst 1949 gelang es den Kommunisten um Mao Tse Tung, die staatliche Souveränität wiederherzustellen. Doch zu welchem Preis? Die "Große Proletarische Kulturrevolution" (siehe Filme wie "Der letzte Kaiser" oder "Lebe wohl meine Konkubine"), der "Große Sprung nach Vorne", bei dem viele Millionen Bauern nebst Familien schlichtweg verhungerten, oder zuletzt das Massaker vom Tian'anmenplatz geben Anlaß zum Nachdenken. Natürlich sind die Europäer und weitere Nationen deshalb nicht gleich berechtigt, abwertend über China zu urteilen, denn Massaker gab es auch in Europa reichlich, und als Pendant zur Kulturrevolution kann man wohl die Bücherverbrennung und Feldzüge gegen sogenannte "entartete Kunst" etc. anführen.

  • Zwar hat die Kommunistische Partei nachwievor die Alleinherrschaft in China, doch eine Öfnung gen Westen (bzw. gen Osten nach Japan, den USA usw.) ist nicht mehr zu leugnen. War es in den 70ern noch unmöglich, nach China zu reisen, können heute selbst Einzelreisende problemlos im Land umherreisen. Allerdings: Es gibt noch Restriktionen. Gewisse Gebiete, vor allem im Westen des Landes, sind tabu. Dazu zählen auch ganze Städte. Wer also abseits der üblichen Pfade unterwegs ist, sollte besser nachfragen, ob er als Ausländer auch die Befugnis hat, diese Gebiete zu bereisen.

 

 

 

 

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